Testbericht: Iron Danger – Alles eine Frage der Zeit

Wer wünscht sich nicht, seine begangenen Fehler sofort wieder rückgängig machen zu können? Das taktische Indie-Rollenspiel »Iron Danger« lässt uns immer wieder in die Vergangenheit zurückkehren, um jeden Schritt der Gegner zu kennen.

Wie fühlt es sich wohl an, immer und immer wieder in einen Hinterhalt zu laufen und seine Freunde im Kampf sterben zu sehen? Dieses Leid erfährt die junge Kipuna in Iron Danger in fast jedem Gefecht. Denn nur sie hat die Gabe, die Zeit um fünf Sekunden zurück zu drehen. So wissen wir, welchen Schritt unsere Gegner als nächstes vorhaben und so gelingt es uns aus jeder brenzlichen Lage zu entkommen. Doch eine Gabe bringt nicht nur Vorteile, in Kipunas Fall ist dies mehr ein Laster als ein Segen.

Alles beginnt mit einem Angriff feindlicher Nordländer auf ein kleines Fischerdorf in Kalevala. Als Kipuna aus dem Schlaf gerissen wird, steht das halbe Küstenstädtchen schon in Flammen. Einstürzende Gebäude, versperrte Wege und eine aussichtslose Situation erwartet uns zu Beginn des Spiels. Doch auf der Flucht Richtung Ortsausgang stürzen wir in ein tiefes Loch – eine Höhle mit einem mächtigen Kristall/Artefakt, auf den die junge Kipuna unglücklich fällt und regelrecht aufgespießt wird. Der Kristall durchbohrt ihren Brustkorb und lässt unsere junge Heldin das erste Mal sterben. Doch dieser Tod ist nicht endgültig – die Spitze des Kristalls wird ein Teil von Kipunas Körper und verleiht ihr die Gabe die Zeit zu manipulieren.

Steampunk trifft auf nordische Mythen

In ganz Kalevala herrscht Krieg und den Bewohnern bleibt nur die Flucht in die große Hauptstadt. Mit Kipunas neuer Gabe besteht Hoffnung und so werden wir in die weite Welt hinaus geschickt, um noch mehr dieser seltsamen Splitter zu finden. Denn durch ihre Kraft möchte der Oberbefehlshaber Antheor einen gigantischen Schild über der Hauptstadt errichten, um so die Bürger zu schützen. Auf ihrer Reise wird Kipuna von Topi dem Schmied und glühender Anhänger von Herrscher Antheor begleitet. Topi blockt nicht nur erfolgreich die Angriffe der Widersacher, sondern hat auch immer einen frechen Spruch auf den Lippen, der uns die lange Reise unterhaltsamer macht.

In Iron Danger folgen wir strikt einer vorgegebenen Handlung, lernen neue Freunde und Helfer kennen und kämpfen uns immer im Duo durch die Truppen der Nordländer. Am Ende einer erfolgreichen Mission dürfen wir meist eine weitere Fertigkeit erlernen oder eine bestehende verbessern. Erhalten wir am Ende eines Tempels einen der mächtigen Splitter, bekommen wir gleich drei neue Eigenschaften geschenkt.

Jeder dieser Splitter verleiht Kipuna neue elementare Fertigkeiten. Zum Beispiel können wir direkt zu Beginn des Spiels, dank des Splitters von Seligwassers, einen großen Feuerball erzeugen und im Kampf gleich mehrere Gegner damit treffen. Später gibt es noch weitere Fertigkeiten, die uns die Kämpfe besser kontrollieren lassen. Einer der stärksten Zauber ist der spätere Verwirrungszauber, welcher einen Gegner durcheinander bringt. Dieser nun hilflose Widersacher greift willkürlich alles um sich herum an, sogar seine eigenen Genossen.

Scheitern um zu gewinnen

Die Faszination von Iron Danger ist das relativ leicht verständliche Kampfsystem, welches eher einem Spiel aus dem Runden-Strategie Genre gleicht. Aber das eigentliche Highlight ist die Timeline/Zeitleiste, die jedem Charakter zur Verfügung steht. In dieser sehen wir wie in einem Videoschnittprogramm, wann welche Aktion in Kraft tritt und im Fall von Iron Danger sogar, wann genau ein Charakter Schaden oder sogar den Tod erleidet. Dank diesem übersichtlichem System, können wir in den schweren Kämpfen immer und immer wieder aus den Trefferzonen und Laufwegen der Gegner entkommen, um unsere Spielfiguren in einem perfekten Konter zu positionieren.

Oftmals sehen die Kämpfe unmöglich und absolut unfair aus, doch hat man sich mit den Zeitleisten der Spielfiguren und Icons der Aktionen angefreundet, eröffnet Iron Danger sein großes Puzzle-Potenzial. Wie oft habe ich mich während meines Test in Situationen wiedergefunden, in denen ich gedacht hatte »Das war es jetzt« oder »Mist, hier geht es nicht mehr weiter« – ich hatte mich jedes Mal getäuscht. Schritt für Schritt konnte ich meine Positionen optimieren, den Angriffen erfolgreich ausweichen und die richtigen Zeitpunkte für den perfekten Gegenschlag planen. Fünf Sekunden hören sich nach einem sehr kurzen Spielraum an, doch in Iron Danger reicht das völlig aus, um eine Spielmechanik zu formen, die uns in schweren Kämpfen für Minuten beschäftigen kann.

Nutze deine Umgebung weise!

Die perfekte Falle stellen. Da wir die Schritte unserer Gegner kennen und wissen, wie sie sich in den nächsten 5 Sekunden bewegen werden, ist das platzieren von Fallen extrem hilfreich. Schaut man sich in der Flora von Kalevala genauer um, finden sich Bäume, die zu unseren Gunsten umkippen könnten oder gar die verlassenen Getreidefelder, für die ein einziger Feuerzauber reicht, um einen Hektar Land lichterloh brennen zu lassen. Auch Gegenstände wie Granaten oder aufstellbare Fallen können im Kampf genutzt und in die Laufwege der Gegner geworfen werden. Dies zeigt, das oftmals nicht der richtige Angriff entscheidend sein kann, sondern wohin wir die einzelnen Gegner im Kampfgeschehen lenken, um die Umgebung perfekt für unsere Strategie zum Sieg zu nutzen.

Mir gefällt die Spielidee von Iron Danger extrem gut, denn es gibt so viele Möglichkeiten einen Kampf zu gewinnen, dass sich das erneute spielen einer Mission komplett anders anfühlt. Ich musste bei Iron Danger mit seinen gezeichneten Karten, der Missionsübersicht und den ausgearbeiteten Charakterbeschreibungen immer wieder an klassische Pen & Paper Rollenspiele denken.

Etwas Feinschliff kann nicht schaden

Leider muss ich gestehen, je weiter ich mit der Handlung voran kam, die Funktionalität des zu Beginn noch sehr guten Kampfkonzeptes immer mehr Probleme verursachte. Kipunas Mitstreiter wurden für mich immer nutzloser, da die Übermacht der Gegner und vor allem die Anzahl der starken Widersacher nicht mehr zu kontrollieren waren. Oftmals half nur die Flucht und der große Feuerball aus der Ferne.

Auch meine geplanten Hinterhalte aus dem hohen Gras waren nicht mehr möglich, da ich immer sofort enttarnt wurde, obwohl die Attacke am Gegner noch nicht mal ankam. Die nordländischen Geschütztürme waren im Test leider viel zu stark, denn diese feuerten bereits auf mich, obwohl ich noch nicht einmal Sichtkontakt hatte.

Da ich meine Testversion schon weit vor dem Release erhalten habe hoffe ich, das diese aggressiven Gegner, die einem gleich das ganze Lager auf den Hals hetzen, und die nervigen Geschütztürme noch bis zur Veröffentlichung entschärft werden. Vielleicht liegt es aber auch an mir und meinem Schleich-Spielstil, der sich in Iron Danger nicht umsetzen lässt. Trotzdem finde ich das Kampfsystem mit der Zeitmanipulation, den Grafikstil und den harmonischen Soundtrack richtig gut und freue mich schon auf weitere Projekte des kleinen Action Squad Studios.


rushBfast - René Weinberg - Iron Danger - oasentier

Iron Danger präsentiert ein sehr frisches rundenbasiertes Kampfkonzept, welches einfache Gefechte in knifflige Puzzle verwandelt.


Iron Danger

Release Termin:
25. März 2020

Genre:
Taktik-/Action-Rollenspiel, Puzzle

Spielzeit:
ca. 16 Stunden

Erhältlich für:
Windows PC (Steam)

Entwickler:
Action Squad Studios

Publisher:
Daedalic Entertainment

Pro:
– schöner Grafikstil
– kreatives Kampfkonzept (Zeitmanipulations-Mechanik)
– Kämpfe wie Puzzle
– Rätsel
– lustige Sprüche
– guter Soundtrack

Contra:
– nur englische Sprachausgabe
– gegnerische Geschütztürme haben unnötige Reichweite
– Kollisionen teilweise ungenau
Line of Sight Probleme (Fernkampf)



Du hast eine Frage zum Spiel, dann schreibe mir diese doch gerne in die Kommentare. Ich werde versuchen, sie schnellstmöglich zu beantworten.

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