Testbericht: The Last of Us Part II – Echte Akkorde, echte Gefühle

Hat sich die Lebensqualität der Überlebenden aus dem ersten Teil verbessert und es herrscht nun Friede-Freude-Eierkuchen? Oder gibt es gar neue Probleme in der pilzverseuchten Welt? Spoilerfrei werfen wir von rushBfast einen ausführlichen Blick in das »Action-Adventure« und »Survival-Horror-Spiel« von »Naughty Dog«.

Fast schon verdächtig idyllisch steigen wir in den zweiten Teil von The Last of Us ein, dem Action-Adventure und Survival-Horror-Spiel von Naughty Dog. Joel erzählt seinem Bruder und besten Freund Tommy, wie Ellie und er vor einigen Jahren den Weg bis nach Jackson, Wyoming, gefunden haben und wie er sie damals vor den Fireflys gerettet hat. Während seiner Erzählung, in der kurze Sequenzen eingeblendeten werden, poliert Joel liebevoll mit seinen zerfurchten Händen eine angestaubte, saitenlose Gitarre. Der kurze Rückblick kommt gerade recht, denn nicht jeder kann sich noch nach sieben verstrichenen Gaming-Jahren an die Schlüsselmomente der Handlung erinnern, als The Last of Us damals auf der PlayStation 3 erschien.

Mit unserem nun aufgefrischten Wissen holt uns aber schnell der Alltag der Überlebenden ein, spätestens als sich Tommy und Joel auf den Heimweg machen, denn – Überraschung – wir sind mitten in einer Wach-Patrouille ins Spiel eingestiegen. Und es gibt sie anscheinend noch, die furchteinflößenden, vom Ophiocordyceps-unilateralis-Pilz infizierten Kreaturen, die irgendwo da draußen lauern.

Als sich Tommy und Joel auf ihren Pferden der Kleinstadt Jackson nähern, kann man ganz deutlich die gewaltigen Sicherheitsvorkehrungen erkennen, welche die Bewohner getroffen haben, um sich vor der immerwährenden Gefahr zu schützen. Es ist ein beeindruckender Anblick, denn vor der hohen Mauer, welche sich um die Stadt windet, wurde eine breite Schneise bis zum anliegenden Wald gerodet, um einen eventuellen Ansturm von Infizierten (oder anderen Feinden) frühzeitig zu erkennen. Aufmerksam empfangen von altbekannten Charakteren, eingebettet in einer neu aufgebauten und sich selbst versorgenden Kleinstadt, bekommen wir zum ersten Mal die 19 Jahre alte Ellie zu Gesicht, die gerade in ihrem Zimmer sitzt, Musik hört und in ihr Skizzenbuch zeichnet.

Spätestens jetzt werden eigene Spiel-Erinnerungen bei denjenigen von Euch wach, die Ellie und Joel durch The Last of Us begleitet haben, denn Ellies ganzes Zimmer ist mit alten Fundstücken (Actionfigur und Bücher) aus dem ersten Spiel gespickt. Nach einer kurzen Unterhaltung zwischen ihr und Joel, geht es mit Ellie auf einen ersten Rundgang durch die City.

Alles hier erinnert etwas an eine Wild-West Stadt, solide aber eher einfach gestrickt. Holzhäuser und matschige Straßen dominieren das Bild. Die Bewohner pflanzen Gemüse in Gewächshäusern an und auf den Straßen zwischen den Läden, die auf Tauschgeschäften basieren, ist ein reges Treiben zu sehen. Es scheint, als kenne jeder jeden und so werden wir fast an allen Ecken gegrüßt oder auf letzte Nacht angesprochen. Jetzt ist bereits klar zu erkennen, mit all dem Fundament an Detailgrad, Interaktionen und emotionalen Rückblicken ist diese Geschichte erneut mehr als ein belangloses Zombie-Abenteuer, in dem nur so die Fetzen fliegen.

Menschheit mit Luxusproblemen

Ich denke, was verraten werden darf: Es gibt in The Last of Us Part II zwei sehr radikale Fraktionen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Zum einen die WLF, die sich als militärischer Nachfolger der FEDRA im Stadtzentrum von Seattle angesiedelt hat und zum anderen die streng gläubigen Seraphiten, die eher an eine mittelalterliche Sekte erinnern. Beide Seiten befinden sich im ständigen Clinch miteinander und kämpfen um wichtige Territorien im Stadtzentrum. Dies beiden unterschiedlichen Gruppen bringen ordentlich Spannung ins Spiel, da kaum noch jemand hilflose Überlebende aufnimmt, sondern eher aus allen Rohren bzw. Bögen feuert, bevor man sich auf eine unnötige Gefahr einlässt.

Leider stoßen wir auf unserem Weg der Vergeltung nur auf durchgeknallte Gegner, statt auf neue Verbündete, was ich persönlich sehr schade finde, denn das brachte im ersten Teil sehr viel Menschlichkeit mit sich und gerade das ist ja bekanntlich die Stärke von Naughty Dog. Trotzdem bekommen alle The Last of Us-Fans immer noch genau so viel Drama, Emotionen und Augenblicke garantiert, in denen man den Tränen nahe ist.

Ganz ruhig, Brauner

Es gibt einige neue Charaktere, die wir in The Last of Us Part II kennenlernen, doch werde ich diese nicht weiter erläutern, da sie alle Bestandteil der fantastischen Geschichte sind, von der ich Euch nichts vorwegnehmen möchte. Das Gameplay ist im Vergleich zum ersten Teil sehr ähnlich geblieben, denn The Last of Us Part II ist immer noch hauptsächlich ein Stealth-Spiel.

Einige der tödlichsten Gegnertypen im Spiel sind immer noch die sogenannten Clicker. Sie sind zwar völlig blind, da die Wucherungen des Pilzes das gesamte Gesicht verdecken, scannen aber mit Klickgeräuschen ihre Umgebung. Sie reagieren auf jedes lautere Geräusch und so ist es möglich, diese unangenehmen Gegner mit Wurfobjekten in Fallen oder sogar in die Flammen eines zerspringenden Molotowcocktails zu schicken. Im Idealfall lassen sich so sogar Infizierte auf weitere Widersacher locken, wie Mitglieder der WLF oder der Seraphiten, um so unseren weiteren Weg einfacher zu gestalten. Wer von Euch nicht so viel Spaß am Schleichen empfindet wie ich, der kann sich auch einfach durch die Gegner ballern, vorausgesetzt Ihr seid geschickt beim Zielen mit dem Controller.

Das Inventar von Ellie ist für meinen Geschmack schon fast ein wenig überladen, denn neben Sprengfallen, Molotows, Schrotflinte, Bogen, Messer, zwei Pistolen und einem Scharfschützengewehr, sammeln wir noch allerhand Sammelkarten, führen ein wunderschönes Tagebuch und stecken fast jedes Schriftstück ein, welches die ehemaligen Bewohner der Ruinen, die wir durchsuchen, hinterlassen haben. So viel Feuerkraft ist wohl nötig, um alle Spieler glücklich zu machen, mir persönlich hätte der Bogen, ein paar Molotows und das Messer gereicht, vor allem da unsere Begleiter tatsächlich aktiv in das Kampfgeschehen eingreifen und ebenso, wie in meiner bevorzugten Spielweise, lautlose Attacken ausüben. Ich freue mich immer wieder, wenn ein integriertes Begleitersystem so gut funktioniert, wie in The Last of Us Part II.

Im Rausch der Optionen

An dieser Stelle muss ich einfach ein Kompliment an Naughty Dog aussprechen, denn so viele gute, und vor allem sinnvolle Spieloptionen habe ich noch nie zuvor in einem Videospiel gesehen. The Last of Us Part II lässt sich auf alle Bedürfnisse, oder besser gesagt, auf fast alle Spieler und deren Anforderungen einstellen, so das jeder das beste Spielgefühl für sich findet.

Neben den üblichen Bildformat- und Audio-Einstellungen gibt es ein sehr umfangreiches Menü für die Schwierigkeitsstufe und die Barrierefreiheit, welche sich mit Spielübelkeit, Visualisierung und besonderen Audio-Eigenschaften beschäftigt. Hier lassen sich die Gegner optisch hervorheben, sogar auf mehreren Auswahlmöglichkeiten von Farbenblindheit. Alles was im Spiel als Schrift vorkommt (Schilder, Schriftstücke und generelle Beschriftungen), kann automatisch vorgelesen werden und sogar die Trefferzonen an Gegnern lassen sich akustisch ausfindig machen.

Ein Körpertreffer wird durch einen tieferen Ton als ein Kopftreffer hörbar dargestellt. Selbst das Zielen kann in eine Zeitlupe verwandelt werden, um so leichter mit dem Controller-Stick auf den Gegner zu navigieren. Diese Einstellungen haben sicher sehr viel Arbeitsaufwand gekostet, ich würde mich aber sehr freuen ähnliche Einstellungen auch bald in anderen Spielen zu sehen.

PlayStation 4 am Limit?

Ich kann immer noch nicht glauben, wie gut The Last of Us Part II auf der PlayStation 4 aussieht. Die Konsole ist zwar während der Spielzeit teils deutlich zu hören, aber unglaublich, was die Entwickler mit diesem Exklusivtitel aus der bereits vier Jahre alten Hardware herausgekitzelt haben – für mich ein ganz klares »Pro Exklusivtitel«! Der Detailgrad der Vegetation und die Animationen der Charaktere sind verblüffend, alles bewegt sich optisch korrekt und selbst die deutschsprachige Synchronisation ist perfekt auf das Schauspiel der Spielcharaktere optimiert und eingesprochen.

Naughty Dog zeigt mit The Last of Us Part II erneut, dass sie die Meister im Geschichtenerzählen sind, gerade was den Drama-Faktor betrifft. Es ist beängstigend, wie The Last of Us Part II mit unseren Gefühlen spielt: Ich kann nur sagen Respekt, wenn man es schafft, einen Charakter erst zu mögen, dann zu hassen und dann erneut wieder Sympathien für diese Figur zu empfinden. Es gibt Momente, da mag man eigentlich gar nicht auf vorgegebene Knöpfe drücken, weil die Situation einen echt fertig macht. Es ist wie in meiner Vorschau prognostiziert: Eine absolut dramatische Achterbahnfahrt der Gefühle, mit einer riesigen Portion »Kinnlade runter« und sprachlos sein!

rushBfast - René Weinberg - The Last of Us Part II - Illustration: oasentier

The Last of Us Part II bietet geniales Schauspiel, super Grafik und Gänsehaut-Faktor pur! So darf sich gerne eine Konsolen-Generation zur Ruhe setzen!


The Last of Us Part II

Release Termin:
19. Juni 2020 (bereits erschienen)

Genre:
Action-Adventure, Survival-Horror

Spielzeit:
Kampagne: ca. 25+ Stunden

Erhältlich für:
PlayStation 4

Entwickler:
Naughty Dog

Publisher:
Sony Interactive Entertainment

Pro:
– sehr gute Motion-Capture Charaktere
– sehr gute deutsche Synchronisation
– Gebiete beeindruckend
– spannende Geschichte
– aufregend bis zum Schluss
– für mehrere Spielstile spielbar (Stealth- & Action-Gameplay)
– Gitarren-Minispiel
– spannende Fraktionen

Contra:
Stealth-Gameplay stellenweise mit Schwächen
– zu viele Sammelobjekte bringen einen aus der fesselnden Handlung
– zu großes Waffeninventar
– kaum Kontakt mit Zivilisten außerhalb der Basen



Du hast eine Frage zum Spiel, dann schreibe mir diese doch gerne in die Kommentare. Ich werde versuchen, sie schnellstmöglich zu beantworten.


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