Testbericht: Paper Mario: The Origami King – Der Kampf mit dem Bürobedarf!

Aufgepasst Mario, ein ganzes Königreich steht auf dem Spiel! Also nicht einknicken und »Let’s-a go« in das »2D-, 3D-Papierabenteuer« voller Schablonen-Freunde und gefalteter Bösewichte. Ich kann Euch jetzt schon sagen, dieses »Jump ’n’ Run« ist nicht von Pappe!

Die Gebrüder Luigi und Mario flitzen gemeinsam auf Luigis Kart in das Pilz-Königreich nach Toad Town, denn sie wurden als VIP-Gäste eingeladen, dem kunterbunten Origami-Fest beizuwohnen. Doch bereits kurz nach ihrer Ankunft merken die beiden 2D-Klempner, hier geht etwas nicht mit rechten Dingen zu, denn die Stadt ist zwar farbenprächtig geschmückt, aber von den kleinen gepunkteten Pilz-Bewohnern ist weit und breit keiner zu sehen. Sind die beiden etwas zu früh oder gar zu spät am Austragungsort angekommen? Nein, denn schon nach einer kurzen Erkundungstour durch die City und dem Besuch im Palast erscheint vor uns eine sich äußerst merkwürdig verhaltende Prinzessin Peach.

Sie fragt uns, ob wir ebenso Interesse daran haben, das Königreich in eine Welt aus Origami zu verwandeln… Nach einigen sicheren Verneinungen unsererseits, öffnet sich plötzlich der Boden unter unseren Füßen und schwupps landen wir im Verließ des Königshauses. Oweia.

Dort unten in den muffigen Gewölben treffen wir auf Gumbas, Koopas und Käfer, die normalerweise Mario und Co. gar nicht friedlich gesinnt sind, doch die Pilzgemeinde macht keinen Unterschied zwischen Freund und Feind, denn alle sollen gemeinsam feiern und Spaß haben. Nach einem kurzen Plausch mit der bunten und ungewohnt friedlichen Gegnertruppe, hören wir eine leise Stimme aus der Wand. Dank des Faltkreis-Symbols auf dem Boden, können wir nun zum ersten Mal mit der Bewegungssteuerung Marios ausfahrbare Papierfaltarme nutzen, um ein Stück der Wand herunterreißen und das darin eingeschlossene Wesen befreien.

Es ist Oliva, eine kleine gelbe Origami-Fee, die uns ab jetzt tatkräftig mit Tipps und Tricks in der Papierwelt zur Seite steht. Ebenfalls hier unten im Gewölbe befindet sich unser Hauptwerkzeug, welches uns in Paper Mario stets begleitet, der Hammer, mit dem wir auf allem herumhämmern, was sich uns in den Weg stellt.

Doch aufgepasst, selbst Oberbösewicht Bowser höchstpersönlich hängt unten im Kerker fest. Er bietet uns an, sobald wir ihn befreien, nimmt er uns in seinem Fluggefährt mit und bringt uns erst einmal in Sicherheit. Gesagt, getan und schnell flüchten wir uns auf den Weg nach oben auf die Schlossmauer, wo wir erneut auf die seltsame Origami-Peach treffen.

Das schnelle Wiedersehen ist keine schöne Überraschung, denn aus dem Shy Guy neben Origami-Peach entfaltet sich der bösartige König Olly und weiht uns in seinen finsteren Plan ein, das Königreich neu zu entfalten. Und das meint der korrekt gefaltete Typ mit der angeberischen Origami-Locke tatsächlich wortwörtlich. Mit seiner Macht beschwört er fünf gigantische Luftschlangen, die den Pilzpalast auf einen fernen Gipfel befördern und dort festhalten. Das Abenteuer beginnt! Wo sind wir da nur rein geraten?

»Alter Falter, ist das süß gemacht!«

Wie immer gelingt es Nintendo eine zauberhafte Spielwelt zu kreieren, denn die aus Papier und Pappe geformten und gefalteten Welten sind in abwechslungsreiche Themen unterteilt und wirken über die gesamte Spielzeit von ca. 30 Stunden immer wieder erfrischend.

Neben unserer Hauptaufgabe, das gesamte Königreich wieder in eine friedliche Welt ohne Falten zu verwandeln, gibt es allerhand zu tun. Überall in der eigentlich schönen Landschaft gähnen uns große hässliche Löcher entgegen, die uns einen Blick auf das einfache Drahtgestell unter der Spielwelt werfen lassen. Diese Löcher können wir dank der unterwegs gesammelten Papierschnipsel fachgerecht füllen und damit unser Münzkonto aufstocken. Was erst zu einem späteren Zeitpunkt auffällt, in jedem Level sind auch mehrere Fragezeichenblöcke und kleine Schatzminiaturen versteckt, die wir später unter anderem im Museum von Toad Town bewundern können.

Willkommen in der Kreisliga

Anders als die vorherigen Paper Mario Spiele, ist Paper Mario: The Origami King kein Rollenspiel, sondern fast schon ein klassisches 3D-Mario Jump ’n’ Run. Wobei, einen riesig großen Unterschied gibt es zu den anderen Mario Spielen: Die Kämpfe ähneln eher einem Logik- und Geschicklichkeitsspiel, in dem wir mit unserem Hammer auf die Gegner einkloppen oder mit unserem Klempner-Schuhwerk auf ihnen herumhüpfen. Dabei ist neben der richtigen Waffenauswahl auch noch das perfekte Timing gefragt, um den höchstmöglichen Trefferschaden auszuteilen. Doch bevor wir mit den Faltschergen interagieren können, müssen wir sie erst richtig anordnen.

Die kreisförmige Arena ist in Ringe und Tortenstücke unterteilt, die wir nach Belieben schieben und drehen können. Ziel ist es, die Gegner immer in Vierergruppen aufzuteilen, entweder in einer Reihe oder paarweise nebeneinander. Hört sich erst recht einfach an, doch durch begrenzte Spielzüge und gegen die Zeit muss man das Puzzle oftmals mit nur 2-3 Zügen lösen. Da kommt manchmal leichte Panik auf.

Doch Vorsicht, nicht alle Gegner lassen sich auf dieselbe Art und Weise besiegen, denn einige von ihnen haben scharfe Kanten oder spitze Faltungen, die wir nur mit dem Hammer oder mit eisernen Stiefeln erfolgreich bekämpfen können.

Zu Beginn reichen erstmal unsere einfachen Utensilien gegen die Faltschergen, doch später rücken mehr und vor allem stärkere Origami-Gegner an, so dass wir entweder verbesserte Schuhe oder Hämmer verwenden sollten, oder auf altbekannte Mittel wie Feuer-/Eisblumen zurückgreifen müssen. Leider sind die stärkeren Waffen nur mit einer begrenzten Haltbarkeit verfügbar. Haben wir also unsere Glitzer-Stiefel oder unseren Color-Hammer zu oft eingesetzt, geht er im nächsten Kampf zu Bruch. Doch keine Panik, überall auf der Welt gibt es Händler, die unser Arsenal wieder aufstocken, vorausgesetzt wir bringen die nötigen Münzen mit.

Detektiv Mario, den Pilzen auf der Spur!

Was mir extrem gut in den Leveln gefällt, ist das Aufspüren der vielen Toads, die überall sehr kreativ versteckt wurden, zum Beispiel zusammen gerollt in einem Loch im Boden, versteckt im hohen Gras oder gefaltet als Insekt, welches durch die Gegend wuselt. Manche von ihnen sind so gut getarnt, dass man auf bestimmte optische und akustische Helferlein zurückgreifen muss, die später im Spiel freischaltbar sind. Finden wir einen versteckten Toad, werden wir oft mit einem lustigen Spruch oder gar einem nützlichen Item belohnt. Es lohnt sich also genau hinzugucken.

Doch das war bei weitem noch nicht alles, denn je mehr wir von diesen kleinen Pilzfreunden finden, desto mehr Publikum haben wir in unseren Kampfarenen. Die vielen Zuschauer ermöglichen uns im Kampf einen Puplikumsjoker auszuspielen. Je mehr Münzen (maximal 999) wir in die Runde werfen, desto mehr Toads eilen herbei und helfen uns die kniffligen Formationen der Gegner zu lösen. Dabei spielen uns die kleinen Helfer auch neue Waffen oder Herzen für unsere Gesundheit zu.

Es lohnt sich also immer genügend Münzen in der Tasche und so die Chance auf einen vereinfachten Kampf zu haben. Ich kann mir vorstellen, das einige Spieler das kreative Kampfsystem etwas anstrengen finden könnten, aber dank der vielen Helferlein ist eine vereinfachte Lösung wirklich schnell in Sicht. Also aufgepasst Pappnase König Olly, wir kriegen dich, und dann wirst du recycelt und zum Altpapier verbannt!

Ganz bestimmt kein Papierkram!

Nintendo und Intelligent Systems zeigen erneut sehr gekonnt, wie schön sich das eigentlich analoge Thema Papier in einem Videospiel verarbeiten lässt. Die Dialoge, Wortwitze und gefalteten Kreaturen sind super ausgearbeitet und nutzen sich selbst nach über 30 Stunden nicht ab. Schön, dass eine Welt mit »einfachen« Büroutensilien so unterhaltsam sein kann. Wenn ich bedenke, wie viel Brainstorming es gebraucht hat, dass alles zusammenzutragen – ihr habt meinen Respekt!

rushBfast - René Weinberg - Paper Mario - Illustration: oasentier

Ach du heiliger Faltkreis, ist das süß! Paper Mario: The Origami King ist meiner Meinung nach das beste Paper Mario!


Paper Mario: The Origami King

Release Termin:
17. Juli 2020

Genre:
Jump ’n’ Run, Puzzlespiel

Spielzeit:
ca. 31 Stunden

Erhältlich für:
Nintendo Switch

Entwickler:
Intelligent Systems

Publisher:
Nintendo

Pro:
– große und abwechslungsreiche Areale
– fantastische Sprechblasentexte
– super Humor
– sehr gut umgesetzte Papercraft-Welt
– realistische Origamifiguren
– super Soundtrack
– freischaltbare Spielhilfen erleichtern die Rätsel
– viele unterschiedliche Rätsel/Minispiele
– Motion-Control unterwegs auch abschaltbar

Contra:
– Kampfsystem kann sehr anspruchsvoll für manche Spieler sein
– Perspektive nicht immer eindeutig zu erkennen


Du hast eine Frage zum Spiel, dann schreibe mir diese doch gerne in die Kommentare. Ich werde versuchen, sie schnellstmöglich zu beantworten.


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