Heute steht das Action-Rollenspiel von Team Ninja bei mir auf dem Prüfstand. Nach mehrmaligem Durchspielen von Nioh und Nioh 2, den geistigen Vorgängern des neuen Soulslike, habe ich hohe Erwartungen, was die Weiterentwicklung der Martial Arts basierten Kämpfe und das düstere Leveldesign betrifft. Gespielt habe ich Wo Long: Fallen Dynasty im Xbox Game Pass auf dem PC und was mir sofort aufgefallen ist, es werden PlayStation-Controller-Knöpfe im HUD des Spiels angezeigt, obwohl es in diesem Fall Xbox-Buttons sein sollten? Doch dies war nicht die einzige Ungereimtheit in meinen 50 Stunden Spielzeit.
NACHTRÄGLICH AUFGEWERTET UM EINEN STERN: Der Release der PC-Version war für Maus- & Tastaturspieler eine Katastrophe, denn der Input der Maussteuerung wurde nur teilweise erkannt. Die nervigen Abstürze, das weiße Aufblitzen der Texturen und das erneute Anschauen der kompletten Sequenzen nach einem Bosskampf im Koop-Modus wurden bereits mit dem ersten Patch (Ver1.03 vom 9. März 2023) behoben.
Die Geschichte ist einfach und kurz erzählt, denn in Wo Long: Fallen Dynasty spielen wir einen namenlosen Soldaten oder eine Soldatin während der Zeit der Drei Reiche. Wir geraten zwischen die Fronten der Warlords, doch statt sich gegen sie aufzulehnen, kämpfen wir Seite an Seite gegen eine noch viel größere Bedrohung. Überall im chinesischen Reich fallen blutrünstige Dämonen in die Ländereien der jeweiligen Herrscher ein, die von einem machthungrigen alten unbekannten Meister kontrolliert werden. Unsere Aufgabe lautet nun in anspruchsvollen Kämpfen, wie man sie aus Dark Souls und Co. kennt, die düsteren Widersacher zurück ins Jenseits zu schubsen.
Im Einklang mit der Kampfkunst


Um hinter das nicht so intuitive Kampfsystem von Wo Long: Fallen Dynasty zu steigen, braucht es eine ganze Weile. So erging es zumindest mir, als ich versuchte, mich neben den actiongeladenen Kämpfen auch noch auf die kleinen, farbig aufleuchtenden Balken unter der Lebensenergieleiste zu konzentrieren. Das HUD wirkt zwar schön reduziert, doch gerade zu Spielbeginn ist diese Spieloberfläche sehr schwer abzulesen.
Balken Orange (Negatives Ki): Durch blocken, zaubern, ausweichen, Spezialattacken und feindliche Treffer färbt sich der Balken orange. Füllt sich der Balken komplett, ist unser Spielcharakter für einen kurzen Moment regungslos, was schnell zu unserem Ableben führen kann.
Balken Blau (Positives Ki): Erfolgreiche Angriffe, perfektes Parieren und punktgenaues Ausweichen füllt den Balken in die entgegengesetzte Richtung. Dieser blaue Balken ist wie ein Bonus zu verstehen, denn je voller der Balken, um so mehr negative Ki darf verbraucht werden.
Abwechslungsreiche Action garantiert

Ist das Kampfsystem erst einmal in Fleisch und Blut übergegangen, zeigt Wo Long: Fallen Dynasty seine wahre Stärke. Die schnellen und stimmigen Martial-Arts-Kämpfe mit den unterschiedlichen Waffen wie Speer, Schwert, Axt und Stab samt Spezialattacken fühlen sich richtig gut an. Auch die zu Spielbeginn eher nutzlosen Zauber blühen im späteren Spielverlauf so richtig auf und zerlegen mit einem Streich ganze Gegnergruppen. Doch es kommt auf die jeweilige Skillung an, die in diesem Soulslike ebenfalls nicht so einfach zu durchschauen ist.
Statt denn verständlichen Attributen wie Stärke, Geschick und Ausdauer hat man sich bei Wo Long: Fallen Dynasty für elementare Bezeichnungen wie Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser entschieden, die jeweils mit diversen Waffen harmonieren und ihre eigenen Boni wie Ausdauer, Zauberstärke und Angriffskraft mit sich bringen.
Spielentwicklung mit Zweitbesetzung

Warum kann Wo Long: Fallen Dynasty nicht mit den zuvor vom selben Studio entwickelten Nioh-Spielen mithalten? Wenn man sich das Entwicklerteam des neuen Spiels ansieht, muss man leider feststellen, das es sich hierbei scheinbar aus Zeitgründen um eine Zweitbesetzung des üblichen Soulslike-Teams handelt. Das eigentliche Soulslike-Team und dessen Director Fumihiko Yasuda, welche auch zuletzt Nioh 2 entwickelten, sind gerade mit den Arbeiten zum PlayStation 5 Exklusivtitel Rise of the Rōnin beschäftigt, welches 2024 erscheinen soll.
So war es dem Studio scheinbar nicht möglich, die gleiche Qualität in dem vorab geplanten Dreijahres-Jahres-Rhythmus zu halten. Sehr schade, wie ich finde, denn nach Nioh 2 fühlt sich Wo Long: Fallen Dynasty technisch eher wie ein Prequel an, bei dem das Entwicklerteam erst alle bereits bekannten Quality-of-Life-Features nochmals erneut erlernen muss.
Die Extrarunde des Todes

Wo Long: Fallen Dynasty besitzt zwar einen New Game Plus Modus nach dem Durchspielen der Geschichte, dieser ist aber leider einer der lieblosesten Endgame-Inhalte, der mir in den letzten Jahren unter die Augen gekommen ist. Im NG+ von Wo Long: Fallen Dynasty gibt es eine einzige Änderung, die uns Spieler:innnen belohnt, die ultraseltenen 5-Sterne Drops. Diese Items (Rüstungen, Waffen und Accessoires) haben zwar stärkere Werte als die 4-Sterne-Items aus dem Hauptdurchlauf, machen sonst aber keinen Unterschied.
Es gibt keine zusätzlichen Sets, die niedrigstufigen Materialien von Stufe 1-5 sind immer noch genau so häufig zu finden wie die winzigen Ki-Splitter. Nicht einmal eine 0815 Neupositionierung einzelner Widersacher ist in diesem traurigen Modus zu finden. Ich habe nach Teil 2 im NG+ mein Spielerlebnis von Wo Long: Fallen Dynasty beendet, da ich keinen Grund sehe, diesen Modus zum aktuellen Zeitpunkt durchzuspielen.
Release Termin:
3. März 2023
USK:
Ab 16
Genre:
Soulslike
Spieltyp:
Einzelspieler, 3-Spieler-Koop
Entwickler:
Team Ninja
Publisher:
Koei Tecmo
Erhältlich für:
PC
PlayStation 4
PlayStation 5
Xbox One
Xbox Series
Fazit
Wo Long: Fallen Dynasty
Ich kann »Wo Long: Fallen Dynasty« zum aktuellen Release-Zeitpunkt leider nur bedingt empfehlen. Der Release der PC-Version des Action-Rollenspiels mit all seinen Ungereimtheiten wie ruckelnde Zwischensequenzen, nicht funktionierende Maus- & Tastatursteuerung und den vielen anderen Problemen sind ein Armutszeugnis für Team Ninja. Der eher schwache Spielumfang und die fehlenden Quality of Life Features im Vergleich zu den beiden Vorgängern wirken auf mich, als hätte man bei der Projektübergabe nicht miteinander gesprochen. Was ist hier nur schief gelaufen, denn eigentlich ist das Kampfsystem, die vielen Bosse und der äußerst unterhaltsame Koop-Modus richtig gut geworden. Sollte »Wo Long: Fallen Dynasty« allerdings demnächst für den halben Preis in einem Sale auftauchen, kann man in diesem Spiel ab Version 1.03 mit bis zu zwei weiteren Mitspieler:innen jede Menge kooperativen Martial-Arts-Spaß genießen. Wer sich selbst diese Kosten sparen möchte, probiert die Demoversion aus oder benutzt den Xbox Game Pass, denn hier ist »Wo Long: Fallen Dynasty« ebenfalls enthalten.
Pro
- Actionreiches Gameplay
- Große und abwechslungsreiche Gebiete voller Verstecke
- Anspruchsvolle Bosse
- Bündnisse mit Begleitern können ausgebaut werden
- Gottheitenbeschwöhrungen erweitern das Gameplay
- Vier zusätzliche Zauber erweitern das Arsenal
- Große Waffenauswahl
- Verbessern von Waffen und Rüstungen
- Aussehen von Rüstungen kann übertragen werden
- Kritische Treffer mit toller Inszenierung
- Alle Sequenzen können im Hauptmenü nochmals angeschaut werden.
- Angriff ist die beste Verteidigung
- New Game Plus mit neuem Schwierigkeitsgrad und besseren Items
Contra
- PC Version stürzt regemäßig ab (bereits gepatched: Ver1.03)
- Ki-Management nicht intuitiv zu Spielbeginn
- Nur mit einem Controller richtig spielbar (bereits gepatched: Ver1.03)
- Im Koop müssen immer alle Sequenzen erneut und komplett angesehen werden (bereits gepatched: Ver1.03)
- Matschige Texturen
- Lange Ladezeiten trotz NVMe
- Keine spezifischen Attributssteigerungen, Ausbau nur basierend auf Elementen
- Wasserphase-Zauber »Grausige Kälte« verursacht Performance-Probleme
- KI-Helfer teilweise sehr nutzlos
- PlayStation-Buttons werden dargestellt, obwohl Xbox-Controller angeschlossen
- Hardwarehungrig bei mittelmäßiger Optik
- Keine unterschiedlichen Waffenhaltungen und Combos möglich
- Hin und wieder tritt weißes Flackern bei Spielfiguren auf (bereits gepatched: Ver1.03)
- Zwischensequenzen ruckeln mit 30FPS und weniger über den Bildschirm
- Keine deutsche Sprachausgabe
Letzte Worte
- Wen die matschigen Texturen nicht stören, wird mit einem Action-Soulslike belohnt, das im Koop richtig aufblüht.













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