Mit Rise of the Ronin ist am 22. März 2024 das Open World Action-Adventure exklusiv für die PlayStation 5 erschienen. Wir haben uns das neueste Werk von Team Ninja genauer angeschaut und mussten mal wieder feststellen, das es nicht immer nur um die Eye-Candy-Grafik geht.
Herausforderungen seit den 90er-Jahren
Das Entwicklerstudio Team Ninja wurde 1995 gegründet und war lange Zeit Teil des Publishers Tecmo. Bekannte Spiele des japanischen Herstellers sind unter anderem Dead or Alive und Ninja Gaiden. Als sich 2010 Koei und Tecmo zu einer Marke formten, wurde Team Ninja von Koei Tecmo übernommen und umstrukturiert. Als Neubeginn der Marke Team Ninja erschien das Souls-like Spiel Nioh und wenige Jahre später Nioh 2, welche beide sehr gut bei den Spieler*innen ankamen.

Tödliche Zwillingsklingen
Wir spielen einen Zwilling eines Geschwisterpaares, welches durch einen Angriff auf sein Heimatdorf zu Waisen wurde. Aufgenommen und großgezogen von der Klingenschmiedin, einer Meisterin der verborgenen Kampfkünste, wurden aus ihnen im Lauf der Jahre die tödlichen Zwillingsklingen.
Unser erster Auftrag lautet, eines der westlichen Schiffe zu infiltrieren, geheime Unterlagen zu stehlen und den Anführer Commodore Matthew Perry zu töten. Wie es das Schicksal so will, läuft nicht alles nach Plan und eine der beiden Zwillingsklingen kommt bei dem Attentat ums Leben. Im Glauben daran, dass der andere Zwilling doch überlebt haben könnte, machen wir uns auf die Suche nach ihm, doch wo sollen wir anfangen?
»Wie es das Schicksal so will, läuft nicht alles nach Plan und eine der beiden Zwillingsklingen kommt bei dem Attentat ums Leben.«
Die fiktive Geschichte von Rise of the Ronin spielt in einer Zeit, in der sich Japan auf neue Herausforderungen einstellen muss und den Fortschritt anderer Nationen nicht mehr ignorieren kann. Vor der Küste Yokohamas liegen große Raddampferschiffe und in den Straßen tummeln sich die ersten Europäer.
Doch nicht jeder nimmt die friedliche Invasion der Fremden positiv auf und schon bald gibt es die ersten Meinungsverschiedenheiten, bei denen wir als durchtrainierte Zwillingsklinge oftmals das Zünglein an der Waage sind.

Fraktionen und Entscheidungen
Auch wenn die Grafik von Rise of the Ronin ein bis zwei Konsolengenerationen hinterherhinkt, ist das Action-Adventure mit seinen anspruchsvollen Schwertkämpfen nicht gleich abzuschreiben. Der Aufbau von Beziehungen mit diversen Fraktionen und wichtigen Charakteren öffnet immer wieder neue Handlungsoptionen, die den Verlauf der Geschichte um 180 Grad verändern können.
Besonders gut gelungen ist die einsehbare Zeitlinie, in der alle Ereignisse chronologisch aufgelistet und erneut spielbar sind. Hier dürfen wir sogar unsere Fehlentscheidungen korrigieren und verstorbene Charaktere wieder zum Leben erwecken.

Die komplexe und vielfach verzweigte Handlung sorgt für die nötige Spannung und hat man gerade das Glück, bei Sonnenuntergang durch die Wildnis Japans zu reiten, schaut das Spiel auch hin und wieder richtig gut aus.
Das genaue Gegenteil ist leider in den Städten vorzufinden, denn diese sind zwar gut aufgebaut und bereiten Spaß, erkundet zu werden, es mangelt aber an jeder Ecke an Atmosphäre und Spielperformance. Trotz eher leerer Straßen poppen immer wieder plötzlich Passanten oder Gegenstände direkt vor unserer Nase auf, was die Immersion schnell zerstört.

Stumpfe Waffen und scharfe Vorgänger
Das Kampfsystem hat sich im Vergleich zu Nioh oder Wo Long: Fallen Dynasty kaum verändert. Allerdings liegt der Schwerpunkt im Kampf nicht auf geschicktem Ausweichen, sondern in der perfekten Schwertparade, die nicht immer einfach zu treffen ist.
Kämpfe gegen normale oder Elitegegner fühlen sich auf den Punkt an, aber die zähen Bosskämpfe ähneln eher Bulletsponge-Kämpfen, wie sie oftmals in Shootern vorkommen. Statt wirkungsvolle Hiebe auszuteilen, streicheln wir unsere Widersacher mit unzähligen Schwüngen unserer Hieb- und Stichwaffen zu Tode.

Auch in Rise of the Ronin gibt es wieder einen 3-Spieler Koop-Modus, der für uns ganz klar ein Highlight des Spiels darstellt. Hier treffen wir auf andere Spieler*innen mit abwechslungsreichen Skillungen und Outfits. Das Teamplay funktioniert intuitiv und benötigt weder Emotes noch einen Sprachchat.
Doch auch hier ist wieder der Wurm drin, denn es gibt zwar Emotes, die uns als Interaktionsmöglichkeiten mit anderen Spieler*innen zur Verfügung stehen, wir können diese aber zum Beispiel als Dank nach einem anspruchsvollen Bosskampf nicht ausführen, da unsere Mitspieler*innen sofort nach dem Sieg aus der Partie geworfen werden. Stürzen wir uns mit KI-Gefährten in die Bosskämpfe, ist es zum Haareraufen, denn die Begleiter laufen oftmals nur hinterher, ohne einen einzigen Schlag abzuliefern.
Das Action-Rollenspiel-Gefühl

Dem Spiel mangelt es absolut nicht an Aktivitäten, denn die Open World bietet zahllose Sehenswürdigkeiten, Haupt-, Such- und Nebenaufgaben. Die vielen Rüstungen und Waffen bringen wie auch in anderen Team-Ninja-Spielen das Action-Rollenspiel-Gefühl mit sich, denn ständig finden wir bessere Ausrüstungsgegenstände, die uns in alle möglichen Skillungen hereinschnuppern lassen.
In Rise of the Ronin ist es sogar möglich, nur mit bloßen Händen oder mit Trainingswaffen aus Holz in den Kampf zu ziehen. So vermeiden wir zum Beispiel tödliche Auseinandersetzungen, die sich vielleicht später noch fatal auf die Handlung auswirken können.
FAKTEN
| Release Termin: | 22. März 2024 |
| USK: | Ab 16 Jahren |
| Genre: | Action-Adventure |
| Spieltyp: | Einzelspieler Online-Koop (3 Spieler) |
| Entwickler: | Team Ninja |
| Publisher: | Sony Interactive Entertainment |
| Erhältlich für: | PlayStation 5 |
Fazit
Rise of the Ronin
»Rise of the Ronin« ist für mich ein Wechselbad der Gefühle, mal glänzt es mit tollen Kämpfen und guter Grafik und ein anderes Mal wirkt es unfertig und technisch veraltet. Die Geschichte ist gut erzählt und die Vielzahl an Entscheidungsmöglichkeiten sorgen für einen hohen Wiederspielwert. Allerdings ist es mir ein Rätsel wie die Entwickler von einem so gut austarierten Kampfsystem wie es in »Nioh« und »Nioh 2« vorzufinden war, zu diesem eher schwammigen Paradesystem gelangten. Der Stealth-Modus des Spiels funktioniert einwandfrei und belohnt uns mit tödlichen Angriffen, statt zähen Kämpfen. Der 3-Spieler Koop-Modus, der in fast allen Missionen wählbar ist, gehört ganz klar zu den Highlights des Spiels, wenn die Verbindung der Spielserver hält. Untypisch für einen PlayStation 5 Exklusivtitel ist, das »Rise of the Ronin« so gut wie keine zusätzlichen Funktionen unterstützt, wie zum Beispiel das Touchpad des Controllers. Wer das Spiel im Sale für einen Bruchteil des Release-Preises einsacken kann und Spaß an »Nioh« oder »Wo Long: Fallen Dynasty« hatte, wird auch in »Rise of the Ronin« seine Freude finden - vor allem, wenn man auf Gleichgesinnte im Koop-Modus stößt.
Pro
- Spannende und vielverzweigte Handlung
- Unterhaltsame Open World
- Gutes Stealth Gameplay
- Hunderte Waffen und Rüstungen
- Zwei große Open-World-Gebiete
- Deutsche Sprachausgabe vorhanden
- Missionen im Online-Koop spielbar
- Handlung kann im nachhinein verändert werden
- Missionen sind wiederholbar
- Spannende Kämpfe
- Viele Kampfstile spielbar, sogar Waffenlos
- Charakter-Anpassung bis ins kleinste Detail
- Stimmiger Soundtrack
Contra
- Veraltete Grafik
- Umgebungen bauen sich zu langsam auf
- KI-Begleiter gegen Bosse hilflos
- Grafikmodi: Unterschiede kaum zu sehen
- Deutsche Tonspur leider etwas hölzern
- Verbindungsprobleme im Koop
- Reitanimation unnatürlich
- Zu viele Untermenüs
Letzte Worte
- »Rise of the Ronin« bietet eine spannende Handlung, die leider in einer technisch veralteten Umgebung stattfindet.












