Endlich! Als großer Fan der Xenoblade-Reihe habe ich bereits sehnsüchtig auf diesen Release gewartet und nun ergab sich auch für mich die Gelegenheit und Zeit, das neue Xenoblade Chronicles 3 von Monolith Soft auf der Nintendo Switch genauer unter die Lupe zu nehmen – so viel schon einmal vorne weg: »Dieses Rollenspiel ist in Sachen Umfang und Geschichte wirklich wieder etwas ganz Besonderes.«
Für Xenoblade Chronicles 3 ist kein Vorwissen aus den beiden vorherigen Teilen nötig, um die spannende Handlung zu verstehen. Einzig und allein die Schauplätze älterer Teile werden hier und da erneut besucht, was für Fans der Reihe ein kleiner Bonus sein dürfte. Doch nun erst mal ein wenig nerdiges Hintergrundwissen zu den kreativen Köpfen von Xenoblade Chronicles 3.
Bekannt für moderne Klassiker

Das Rollenspiel mit seinem ganz speziellen Gruppenkampfsystem ist von Monolith Soft Studio, welches unter anderem das legendäre Xenosaga (2002) auf der PlayStation 2 und das spielkartenbasierte JRPG Baten Kaitos (2005) auf dem GameCube entwickelte. Xenoblade Chronicles 3 trägt zwar die Ziffer Drei im Namen, ist aber eigentlich schon der vierte Teil der Saga, da es neben der bisherigen Trilogie noch einen weiteren Ableger auf der Nintendo Wii U gab, namens Xenoblade Chronicles X.
Monolith Soft Studio ist berühmt dafür, gigantische Spielwelten mit einer packenden Geschichte zu erschaffen, an denen man Wochen oder gar Monate lang Spaß haben kann. Dazu gibt es ein äußerst sehenswertes Entwicklertagebuch auf der offiziellen Nintendo Webseite, welches ihr nach dem Testbericht unbedingt anschauen solltet.
Ein ganz besonderer Freundeskreis

Xenoblade Chronicles 3 erzählt die emotionale Geschichte zweier verfeindeter Nationen. Auf der einen Seite befinden sich die Keves, die mit ihrer ausgeklügelten Maschinentechnologie alles platt machen, was ihnen in die Quere kommt und auf der anderen Seite erwidern die magiebegeisterten Agnus alles mit ihrer mächtigen Äthertechnologie. Diese beiden Seiten stehen im ewigen Krieg zueinander und nähren sich im wahrsten Sinne des Wortes an den massenhaften Toden der jeweils gegnerischen Partei.
Auf dem Schlachtfeld stehen allerdings keine alten Veteranen, in diesen Kriegen kämpfen jugendliche Soldaten gegeneinander und ihr einziges Ziel, welches ihnen von Grund auf eingetrichtert wurde: das Eliminieren der anderen Nation. Puh, ganz schön harter Tobak für so ein farbenfrohes Szenario, oder?

Diese grausame Tradition zum Gleichgewicht der Welt stellen drei Elitesoldaten (Noah, Lanz, Eunie) der Agnus und drei Elitekämpfer (Mio, Sena, Taion) der Keves in Frage. Sie durchbrechen jeweils die eigenen Reihen und werden zu gejagten Rebellen beider Königreiche.
Als obendrein ein unbekannter Fremder, der merkwürdigerweise deutlich älter aussieht als die sechs Ausreißer, ihnen durch einen magischen Stein sagenhafte Kräfte verleiht, nehmen Noah, Lanz, Eunie, Mio, Sena und Taion den Kampf gegen die üblen Mächte hinter dem fürchterlichen Kriegsspiel auf.
Kampf ohne Krampf

Anders als in den Vorgängern steuern wir in den Echtzeitkämpfen von Xenoblade Chronicles 3 bis zu sieben Helden gleichzeitig, wobei immer nur eine Spielfigur direkt vom Spieler gesteuert wird. Was sich für Neueinsteiger erst einmal total verrückt anhört, klappt aber schon nach wenigen Minuten wie von Zauberhand. Alle Gefechte basieren primär auf automatischen Angriffen, die das Spiel für uns übernimmt. Diese permanenten Angriffe schalten über Zeit oder Anzahl der Attacken die für uns verfügbaren Befehle frei. Kurz gesagt, lassen sich je nach Klasse mit diesen Befehlen die Gegner schwächen oder unsere Gruppenmitglieder unterstützen.
Wichtig ist, darauf zu achten, aus welcher Richtung wir die Attacken auf die Gegner einprasseln lassen, denn nur so erzeugen bestimmte Attacken die jeweiligen Bonuseffekte. Neben den normalen Angriffen ermöglichen optionale Taktiken, dass zum Beispiel unsere Helden sich auf nur ein Ziel fokussieren oder sie schnellstmöglich an unsere aktuelle Position heranstürmen, um in heilenden Flächen zu stehen oder gefährlichen Attacken auszuweichen.
Doppelt hält besser

Im Laufe der ausgiebigen Handlung ist es möglich, durch die Verbindung zweier Charaktere, der sogenannten Synchronisation, noch mächtigere Angriffe auszuführen. Diese starken Ouroboros-Attacken verwandeln zwei der sechs Charaktere zu einer übergroßen gundamartigen Gestalt, deren Angriffe den ganzen Bildschirm einnehmen können und natürlich auch dementsprechend große Schadenszahlen auf die Mattscheibe zaubern.

Bei sehr zähen Kämpfen gegen Elite-Gegner oder fordernde Bosse füllt sich am rechten Bildschirmrand das Symbol der Angriffskette. Leuchtet diese auf, lässt sich eine sehr starke Kombination aus fein abgestimmten Kombos auswählen, die allesamt nützliche Attacken mitbringen und in spektakulären Kampfsequenzen ausgeführt werden. Dabei können so anspruchsvolle Kämpfe auf Augenhöhe schon mal deutlich mehr als fünf Minuten einnehmen.

Zu den sechs Hauptcharakteren schließt sich immer mal wieder ein sogenannter Held einer besonderen Questreihe oder Region an, der die Gruppe mit neuen Klasseneigenschaften unterstützt. Durch diese Helden können die Charaktere neue Kampfpraktiken erlernen, die weitere Skillungen freischalten. In meinem Spielerlebnis haben sich besonders ausgeglichene Gruppen-Builds aus zwei Heilern, zwei Tanks und zwei Angriffsklassen behauptet, bei denen der optionale Held eine der Schwachstellen übernehmen kann.
Mit Vergnügen die Füße wund laufen

Wie auch schon bei den zuvor erschienenen Xenoblade-Spielen ist auch Xenoblade Chronicles 3 ein Monstrum von einem Rollenspiel und das nicht nur, weil die darin vorkommenden Gegner in ihrer Vielzahl und Größe kaum Konkurrenz aus vergleichbaren Spielen bekommen, auch die Fülle an abwechslungsreichen Quest, spielbaren Klassen und Anzahl und Länge der Zwischensequenzen ist verrückt.
Die Gebiete sind teilweise so riesig, dass man für ihre komplette Erkundung Tage damit verbringen kann, jedes Fleckchen aufzudecken. Immer wieder öffnen sich weitere Bereiche der Karte und neue Fähigkeiten lassen bereits bereiste Gebiete noch weiter erkunden, dabei kommt fast schon ein Spielerlebnis wie in einem Metroidvania auf.

Das wahre Highlight von Xenoblade Chronicles 3 ist für mich ganz klar die aufwendig produzierte Geschichte, die die Launen und Gefühle zwischen den Protagonisten wunderschön beschreibt und ihnen so einen ausdrucksstarken Charakter verleiht. Die langwierige Reise, auf die sich die Helden begeben, wird in vielen sehenswerten Zwischensequenzen präsentiert, die mehrere Stunden Filmmaterial zusammenbringen. Auch der passend zum dritten Teil komponierte Soundtrack ist wieder eine Wucht und glänzt mit über hundert abwechslungsreichen Songs, von denen einige sicherlich in Erinnerung bleiben werden.
Release Termin:
29. Juli 2022
USK:
ab 12 Jahren
Genre:
Rollenspiel, JRPG
Spieltyp:
Einzelspieler
Entwickler:
Monolith Soft
Publisher:
Nintendo
Erhältlich für:
Switch
Fazit
Xenoblade Chronicles 3
Die Xenoblade-Chronicles-Serie startete auf der Nintendo Wii 2010 und hat nun schon 12 Jahre auf dem Buckel. Trotz dieser langen Zeit gelingt es den Entwicklern von Monolith Soft der Serie treu zu bleiben. Dieses Phänomen ist heutzutage leider keine Selbstverständlichkeit mehr und so freut es mich um so mehr zu sehen, dass auch Xenoblade Chronicles 3 wieder auf demselben hohen Niveau entwickelt wurde, wie man es von diesem außergewöhnlichen Entwicklerstudio gewohnt ist. Doch ein wenig negative Kritik muss ich neben all den tollen Sequenzen, der fantastischen Spielwelt und dem guten Kampfsystem noch auftischen, denn die Nintendo Switch hat mit diesem Monstrum von Rollenspiel richtig arg zu kämpfen. Es kommt schon häufig vor, dass große Flächen von Texturtapeten dominieren und die fehlende Kantenglättung starkes flimmern auf den Bildschirm bringt. Mich persönlich stören solche Grafikanpassungen absolut nicht, wenn man mit so einem umfangreichen und gut erzählten Spiel belohnt wird. Dennoch kann ich es verstehen, wenn andere Spieler:innen dies als deutlicheren Kritikpunkt sehen. Was die Handlung des Spiels betrifft, kann ich nur sagen »wow«! Die Geschichte ist so aufwendig geschrieben, dass sie einem Film oder einer ganzen Serie gleicht. Leider erschließt sich das große Ganze der komplexen Erzählung mit all ihren Wendungen erst nach ca. 30 Stunden Spielzeit, was für ungeduldige Spieler:innen sicherlich eine kleine Hürde sein dürfte. Für mich ist Xenoblade Chronicles 3 eine ganz klare Kaufempfehlung für alle Spieler:innen, die gerne fremde und komplexe Welten erkunden und es genießen, sich eine gute Geschichte erzählen zu lassen.
Pro
- spannende und sehr emotionale Geschichte
- gigantische Spielwelt voller Geheimnisse
- fantastischer Soundtrack
- jeder der 6 Charaktere und jede Klasse ist spielbar
- komplexes Kampfsystem mit vielen Optionen
- dynamischer Tag-, Nacht- und Wetterwechsel
- stimmige und liebevoll geschriebene deutsche Bildschirmtexte
- englische Synchronisation sehr gut gesprochen
- spektakuläre Zwischensequenzen
- hunderte von Spielstunden möglich
- automatisches Einsammeln von Materialien
- sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
- 3 Schwierigkeitsgrade, passend für jeden Skillevel (sogar automatische Kämpfe möglich)
- neue und optionale Wegmarkierung zu Quest aktivierbar
- Zwischensequenzen können nachträglich angesehen und jederzeit pausiert werden
Contra
- Sprachausgabe nur auf Englisch und Japanisch
- deutlich sichtbare Texturtapeten in großen Arealen
- Kämpfe manchmal extrem langwierig
- Endgame-Klassen-Grind kann sehr zäh sein
- Sprüche der Begleiter wiederholen sich schnell
- Nintendo Switch ist am Limit
Letzte Worte
- Xenoblade Chronicles 3 bietet eine fantastische Geschichte und eine tolle Spielwelt die es zu erkunden lohnt.












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